BZ 36 - Weinachten 2001


Fahrt nach Pleuville

Vom 24. bis 31. August fuhren 34 Mitglieder vom Borsflether Gesangverein mit dem Bus nach Pleuville. 1987 wurde die Freundschaft zwischen dem Chorale de Pleuvilloise und dem Borsflether Gesangverein von unserem Ehrenvorsitzenden Werner Köhler eingeleitet. Alle zwei Jahre fanden seitdem Treffen in Pleuville und Borsfleth statt. Beim 6. Treffen 1997 in Pleuville wurde von beiden Chören eine Partnerschaftsurkunde unterzeichnet, in der es heißt, dass die kulturellen und freundschaftlichen Beziehungen weiter gepflegt und entwickelt werden sollen und ein zweisprachiges Liedgut erarbeitet werden soll. Ende August fand das 8. Treffen "Borsville" der beiden Partnerchöre in Pleuville statt. Alle Borsflether wurden privat bei Freunden in Pleuville untergebracht. Das freundliche, herzliche Beisammensein in den Familien war wieder von großer Harmonie geprägt. Unsere Gastgeber hatten für unseren Besuch ein informatives, geselliges und kulturelles Programm aufgestellt. Die Ausfahrten nach Limogenes und in das Weinanbaugebiet "Le Bordelais" nach Saint-Emilion waren für alle Borsflether sehr beeindruckend. Die Besichtigung von Limogenes mit seinen vielen historischen, kulturellen Baudenkmälern und mit seiner Blumenpracht in den Garten- und Parkanlagen haben wir sehr genossen. Nach der Stadtrundfahrt hatten wir die Gelegenheit, eine Porzellanmanufaktur zu besichtigen, die zu den bedeutensten in Frankreich zählt und die auch in Deutschland sehr bekannt ist. Die Porzellanherstellung hat über Jahrhunderte den wirtschaftlichen Wohlstand der Stadt Limogenes (140 000 Einwohner) und der Region ermöglicht. Eine weitere Ausflugstour führte uns in das größte Weinanbaugebiet Europas, "Le Bordelais". In Saint-Emilion haben wir uns einen Weinanbaubetrieb angesehen und eine Weinprobe genossen. Den Höhepunkt unseres Besuches bildete das gemeinsame Konzert in der Kirche zu Epenède, die bis auf den letzten Platz mit Zuhörern gefüllt war. Das gemeinsame Singen, mal in Französisch, mal in Deutsch erweckt Lebensfreude und Lebenshoffnung und begeisterte die Zuhörer. Alle Borsflether waren von dem Besuch in Pleuville begeistert und warten voller Freude und voller Ungeduld auf den Gegenbesuch unserer Pleuviller Freunde in zwei Jahren in Borsfleth.


Wer weiß, ob diese Geschichte wahr ist, oder ob sie niemals stattgefunden hat.

Es war im Sommer 1998. William Smith, ein Vertreter für Teppichreiniger aus England wollte endlich, nach vielen Monaten harter Arbeit Urlaub machen. Durch einen Bekannten erfuhr er, dass im Norden Deutschlands der ideale Ort für einen Urlaub der besonderen Art ist. Borsfleth heißt die Ortschaft und ist zirka 50 Kilometer außerhalb von Hamburg. Also ist man dort mitten im "Nichts" jedoch auch nicht weit von der Zivilisation entfernt. Der Bekannte von William Smith gab ihm die Telefonnummer eines Zimmervermieters eines Bauernhofes, welcher in etwa einen Kilometer außerhalb des Ortes sei. William rief alsbald dort an und buchte für die nächsten Tage eine kleine Hütte. Ja, auch Hütten gab es zu vermieten. William dachte sich, dass er da wirklich die absolute Ruhe finden kann, wenn er alleine ist in einem kleinen Häuschen. Ruhe hatte William Smith absolut nötig.
3 Tage später setzte er mit einem Schiff von London nach Hamburg über. Mit dem Zug fuhr er, wie es ihm von der Vermieterin geheißen wurde von Hamburg weiter. In Krempe stieg er aus, und lief zu Fuß die restlichen 3 Kilometer. Ihm wurde zwar angeboten vom Bahnhof abgeholt zu werden, jedoch entschied er sich, nachdem ihm der Weg vom Bahnhof zum Bauernhof gut beschrieben wurde, zu laufen, um schon gleich zu Beginn die Landschaft förmlich inhalieren zu können. Es waren wirklich stressige Monate, die William hinter sich hatte. Die Gegend die William Smith beim Weg zum Bauernhof sah, was das Schönste, was er bisher gesehen hatte. Ein komplett flaches Land, welches nur aus Weiden, und Bauernhöfen bestand. Auf jeder Weide sah man Kühe und Schafe. Alles war friedlich. Der Wind ging etwas, jedoch war der Wind so ziemlich das Lauteste, was man hören konnte. Die Kühe und Schafe standen ruhig auf den Weiden. Man merkte ihnen an, dass sie die Ruhe genossen. Auch William Smith genoss den Spaziergang. Endlich einmal keine Hektik, keine Anrufe und niemand da, den William zum Kauf von Teppichreinigern überzeugen musste. Ruhe, absolute Ruhe.
Wenig später kam William Smith ohne Probleme auf dem Bauernhof, der Vermieterin an. Es war wirklich kein Problem dort hinzufinden. Frau Hellmann, die Vermieterin war sehr freundlich und zeigte William sogleich "sein" Häuschen. Es war eine Lehmhütte mit einem Reetdach! Das Haus bestand aus eigentlich einem großem Raum, mit daneben liegender Küche. Das Badezimmer inklusive Toilette war in einem kleinen Extrazimmer. Treppen, die am Rand im großen Zimmer waren, führten zum "Schlafraum", der direkt unter dem Dach waren. Schlafraum? Eigentlich war es nur eine Art Matratzenlager. Aber auch das gefiel William Smith sehr gut. Das Häuschen, so sagte ihm die Vermieterin, sei früher einmal ein Schweinestall gewesen. Davon, so bemerkte William, kann man aber nichts mehr sehen. Die Einrichtung des Häuschens war recht kunterbunt gemischt. Eine Ansammlung von recht alten Möbeln, die scheinbar im Laufe der Zeit, Stück für Stück, in dieses Häuschen gestellt wurden. Die Holzdecke im Zimmer war wunderschön. Ein großer Tisch, ein Kasten, ein paar Bilder und ein kleiner Fernseher waren im großen und ganzen die Möblierung dieses Zimmers. Natürlich war der Boden auch aus Holz. Vor dem Häuschen war eine kleiner mit Glasfenster versehener Pavillon. Mit einer Tür zum verschließen. Im Inneren der zirka 4 Quadratmeter großen Pavillon. waren ein Tisch, vier Sesseln und ein kleiner Heizlüfter. Obwohl es August, und demnach der wärmste Monat des Jahres war, wurde es, so sagte ihm die Vermieterin, am Abend schon recht kühl. Vor dem Haus war, wie kann es auch sonst anders sein, eine Weide, auf der Kühe grasten.
Seine Sachen ausgepackt und für eine Stunde im Pavillon. Sitzend verspürte William Smith ein leichtes Hungergefühl. Zunächst wollte er sich aber noch ein bisschen bewegen und somit beschloss er hinunter in den Ort Borsfleth zu wandern und dort in einem Gasthaus gemütlich zu Abend zu essen. Nur keine Hektik, so dachte sich William. Nur alles in Ruhe. Ich will, so fügte er noch seinen Gedanken hinzu, meine Seele baumeln lassen.
William Smith verschloss die Hütte, und ging ruhigen Schrittes auf der Hauptstraße, auf der allerdings kaum ein Auto fuhr Richtung Borsfleth. Es war so eine Art Allee, die leicht abfallend in den Ort führte. Ein Wind ließ Williams Haare nie auf einer Seite liegen. Aber der Geruch, den William Smith aufnahm war angenehm und beruhigend. Kein Geruch von Benzin, Rauch, der aus den Schornsteinen der unzähligen Fabriken von London emporstieg... Nur ländliche Luft roch William. Fast ins Träumen geraten erreichte William Smith die Ortschaft. Gleich nach fünfzig Metern rechts wäre ein Gasthaus, sagte ihm die Vermieterin. Ja, da war es auch schon.
Ein recht kleines Haus, wie die meisten hier. Weiß gestrichen, mit dunkelbraunen Fensterrahmen und einer gleich farbigen Tür. Auch dieses Haus hatte ein Reetdach Ein kleiner Schornstein am Dach dieses Hauses, aus dem Rauch emporstieg. William Smith ging zur Tür, und öffnete diese sogleich. Ein kleiner, gut beheizter Raum, dessen Decke recht niedrig hing. An der Theke stand ein älterer, recht dicklicher und fast haarloser Mann. Vor der Theke standen 4 Tische, wobei 3 der Tische besetzt waren. An diesen saß jeweils ein Mann. Es war in diesem Raum, der etwas düster war, recht warm, aber etwas stickig. William Smith setzte sich an den letzten noch freien Tisch. Der Mann hinter der Theke, der sich mit dem Oberkörper an die Bar gelehnt hatte, hievte sich mit Unterstützung der Arme hoch und schritt langsam auf Will zu. "Was darf es sein?" fragte er mit einer sehr tiefen Stimme. "Ich hätte gerne ein Bier, und auch etwas zu essen. Was können Sie mir empfehlen?" fragte Will den Wirten. "Wir haben nur Bohnengulasch" kam die rasche, jedoch nicht unbedingt freundliche Antwort. "Gut, ich hätte gerne eine Portion." Der dickliche Mann drehte sich langsam um, ging zur Theke, füllte aus dem Zapfhahn ein Glas mit Bier und brachte dieses zu William Smith. Sehr viel Schaum war in diesem Glas. Doch, obwohl William kein Freund dieser Haube des Bieres war, ließ er sich dadurch nicht die gute Laune verderben, und nahm einen kräftigen Schluck! Der Wirt indes ging Richtung Theke, verschwand aber in einer Tür, die rechts neben derselben war. Einer der Männer, die sich in der Wirtsstube befanden, auch schon etwas älter, jedoch groß und eher mager, stand auf, und verließ wortlos das Haus. William Smith fühlte sich ganz plötzlich wie beobachtet. Er drehte sich zur linken Seite, an der er glaubte Blicke zu spüren. Der Mann, der am linken Nebentisch saß, blickte William durchdringend an. Jedoch, als sich William Smith zu ihm drehte, blickte er blitzschnell weg. Will wiederholte dieses "Spiel" zwei bis drei Mal. Es war immer das gleiche. William schaute plötzlich in die Richtung des Mannes mit dem durchdringenden Blick und sogleich blickte dieser in eine andere Richtung. Alsbald kam der Wirt aus der Tür mit einem Teller in Händen wieder zurück in die Wirtsstube. Es war ein Suppenteller, den der Wirt wortlos auf den Tisch von William stellte. Der Wirt blickte William in die Augen, nickte und drehte sich wieder um, um wieder in der Tür zu verschwinden. Plötzlich stand der andere Mann, der sich noch neben dem Mann, der William Smith immer noch anblickte, auf und auch er verließ die Wirtsstube, ohne auch nur ein Wort zu sagen. William begann das Gulasch zu essen. Unvermutet stand neben ihm der einzige Mann, ein älterer, grauhaariger und gebückt gehender Mann neben Will. Er sagte zu Will: "Darf ich mich zu Ihnen an den Tisch setzen?". William nickte und der Mann setzte sich neben ihn. Jetzt bemerkte, dass dieser Mann auch einen Buckel hatte. Will löffelte weiter. Der Mann, der nun bei ihm am Tisch saß begann plötzlich zu erzählen. "Ist eine verfluchte Gegend hier. Ja, diese Gegend hat schon einiges erlebt." Diese Worte des Alten gingen ihm recht langsam von der Zunge. William blickte ihn an, legte, obwohl noch nicht aufgegessen, den Löffel neben den Teller und nunmehr blickte Will den Mann eindringlich und neugierig den Mann an. Der Mann, der ab diesem Zeitpunkt William nicht mehr in die Augen sah, begann weiter zu erzählen:
"Vor 500 oder 600 Jahren lebte auf einem Bauernhof in dieser Gegend ein Knecht. Er arbeitete tagein, tagaus auf einem Bauernhof, dessen Besitzer der alte Fönström war. Da dieser Bauernhof sehr groß war, arbeitete neben ihm auch eine Magd. Die Zwei verliebten sich ineinander. Eines Tages fragte der Knecht, sein Name war Svens, seinen Bauern, ob er die Magd, ihr Name war Frauke, heiraten durfte. Der Bauer erlaubte dies, da er mit der Arbeit der beiden sehr zufrieden war, und der Meinung war, das es wohl keinen Unterschied mache, ob die beiden verheiratet sein würden oder nicht. Am Tag vor der Hochzeit feierte Sven mit seinen Freunden, alles Knechte, die hier in der Gegend arbeiteten. Hier irgendwo wo wir uns jetzt befinden, muss diese Feierlichkeit gewesen sein. Erst tief in der Nacht ging Sven glücklich und etwas trunken nach Hause. Er musste in etwa einen Kilometer bis zum Bauernhof gehen. Nebel lag in der Luft, und man konnte die Hand nicht vor den Augen sehen. Sven kam allerdings nie zu Hause an. Man fand auch nie eine Leiche und hat von ihm selber auch nie wieder etwas gehört. Frauke, seine Braut war über diesen Umstand so traurig und so gegrämt, dass sie sich nur wenige Wochen nach dieser Nacht im Stall des Bauernhofes erhängt hat."
William Smith der diese Erzählung bedächtig verfolgte unterbrach den Alten und meinte: "Ja, ist schlimm, was damals passiert ist, jedoch verstehe ich nicht, was aus dieser einen Geschichte aus dieser Gegend eine verfluchte Gegend machen soll!" "Unterbrich mich nicht!" sprach der Alte mit einer etwas lauten Stimme, ohne William anzusehen. "Also, alle 100 Jahre ab dieser Zeit verschwindet in unserer Gegend jemand. Jedes Mal ein Mann, der dann nie wieder gesehen wurde. Nie mehr" fügte der alte Mann unterstreichend hinzu. "Und was" fragte William Smith hat das mit mir zu tun?" "Gar nichts" sagte der Mann "aber eines kann ich Dir sagen, mein Junge, heute Nacht, heute Nacht sind wieder 100 Jahre um. Pass auf, dass Dir kein Unheil geschieht."
William Smith hörte sich gerne "Schauermärchen" an, jedoch glaubte er nicht an so etwas. Der alte Mann stand auf, und setzte sich wieder wortlos an seinen Tisch. Kaum hatte sich der Alte wieder hingesetzt, kam wieder der Wirt in den Schankraum, und lehnte sich wieder an die Theke an. William Smith aß in Ruhe das Gulasch, trank sein Bier, stand auf, ging zur Theke und bezahlte das Konsumierte. Als er zur Türe ging, um das Wirtshaus zu verlassen, verabschiedete er sich bei dem alten Mann, der bewegungslos am Tisch saß. Dieser jedoch blickte ihn nicht an und tat so, als hätte er den Gruß nicht gehört. William verließ das Gasthaus. Draußen war es schon völlig dunkel. Er atmete tief ein, und genoss die Ruhe, die hier herrschte. Aber, was der Alte da drinnen erzählte war eigentlich nur Humbug.
Es war von Nebel nichts zu sehen. Absolut nichts. Es war eine sternklare Nacht. Will entschloss sich noch einmal in das Wirtshaus zu gehen, und dem alten Mann zu berichten, dass er völlig falsch mit seinem Ammenmärchen lag. Er drehte sich um und versuchte die Türe zu öffnen. Jedoch ging sie nicht auf. Sie war versperrt. Komisch dachte sich William Smith, denn er hatte nicht gehört, dass ein Schlüssel ein Schloss versperrte. Er ging rechts zum kleinen Fenster um zu sehen, was die beiden Männer in der Wirtsstube taten, jedoch war alles vollkommen finster. Als wäre hier nie offen gewesen. Eigenartig, dachte sich Will und beschloss sich darüber aber keine grauen Haare wachsen zu lassen. Er ging vor zur Straße, die ihn direkt zu seinem kleinen Häuschen bringen würde. Eine wunderbare Nacht, dachte sich Will. Er ging etwa 50 Meter aus der Ortschaft hinaus, blieb stehen und drehte sich noch einmal um. Er konnte plötzlich überhaupt nichts mehr von dem Ort sehen. Obwohl es ja Nacht sei, müsse man doch irgend welche Lichter sehen. Eine etwas merkwürdige Gegend dachte sich Will mit dem Versuch die ganze Situation etwas humorvoll zu betrachten. Will drehte sich wieder um, um in Richtung des Bauernhofes zu gehen, jedoch war alles plötzlich weiß. Ein dichter Nebel hat sich plötzlich um ihn gelegt. Nichts war mehr zu sehen, nicht einmal die Hand vor Augen. Komisch, wie so plötzlich ohne Ankündigung und ohne Wind ein Nebel entstehen kann. Auch der Blick zurück verriet Will, dass auch hinter ihm der dichte Nebel lag. Etwas mulmig wurde Will schon bei diesem Wunder der Natur. Na gut, dachte sich dieser und ging sehr vorsichtig in Richtung des Bauernhofes. Langsam, sehr langsam, immer darauf bedacht die Füße auf der asphaltierten Straße zu haben. Es dauert schon eine ganze Weile, so eine kurze Strecke bei dieser Geschwindigkeit zurückzulegen. Doch nach einiger Zeit sah er bereits Lichter. Die müssen vom Bauernhof sein, bemerkte er schon etwas beruhigter.
Plötzlich vernahm er Schritte neben sich. Er drehte sich um und erkannte trotz des Nebels den Alten aus der Schenke neben sich. William erschrak ganz plötzlich. "Ruhig, mein Junge" sagte der Alte. "Ist ja doch eine recht verfluchte Gegend! Ich will mich nur vergewissern, dass Du gut nach Hause kommst!" "Ich danke Ihnen" sagte William Smith. Es war William sehr wohl bewusst, dass er sich absolut gefürchtet hatte. Doch jetzt, durch die ruhige Stimme des alten Mannes, beruhigte er sich wieder. Die beiden gingen nebeneinander. Plötzlich spürte William Smith einen stechenden Schmerz in seinem Rücken. Ein Gefühl, das ihm die Kehle zuschnürte. Will griff sich an die Brust, und spürte eine scharfe Klinge, die aus der Brust hervorkam. Er spürte das warme Blut, welches aus der Wunde quoll. Er blickte zu dem Alten neben sich, jedoch war da nicht mehr der alte Mann. Ein Jüngling, der nicht älter als 20 Jahre war stand neben William. Dieser sah William Smith an und sprach zu William genauso wie vorher der alte und mit der gleichen beruhigenden Stimme: "Nur ruhig mein Junge, ganz ruhig." William sank vor Schmerzen in die Knie. Er taumelte. Doch bevor er vollends die Besinnung verlor und vom Reich der Lebenden ins Reich der Toten wechselte hörte er noch lautes Gelächter des nunmehr jungen Mannes. Nur mehr lautes Gelächter.....

Diese Geschichte erreichte uns per e-mail. Herr Manfred Rahn - heute wohnhaft in Wien - machte mit seinen Eltern vor vielen Jahren Urlaub auf einem Ferienhof in unserer Gemeinde. Über das Internet stieß er auf die Internetseiten der BZ. Seine Erinnerungen an unser Dorf und den Aufenthalt in der Marsch haben ihn zu einer kleinen Geschichte inspiriert, die er uns freundlicherweise zur Verfügung stellte.
Wie bereits in der vorherigen Ausgabe der BZ dargestellt, wächst die Bedeutung des Internets immer mehr. Die Herausgeber der BZ werden den Internetauftritt der BZ verstärken, wir freuen uns über die Anerkennung.

Der Borsflether Gesangverein und seine Jubiläen

Am 15. Dezember 1876 wurde in Borsfleth ein Männer-Gesangverein gegründet, der sich die Pflege des mehrstimmigen Gesangs zur Aufgabe stellte. Der erste Vorsitzende war der Lehrer Detleffs, ein gebürtiger Borsflether, der jedoch sehr früh starb. Sein Nachfolger wurde der Lehrer und Organist Trenckner.
Die Satzung umfasste 15 Paragrafen, wobei der 10 besagte, dass im Übungszimmer nicht geraucht werden durfte und der Genuss geistiger Getränke während der Übungsstunden nicht gestattet war und nur vor und nach den Übungen 2 Gläser geistiger Getränke erlaubt waren. "Wer gegen diese Bestimmungen verstößt, muss es sich gefallen lassen, wenn er von dem einen oder anderen Mitgliede auf sein unstatthaftes Betragen aufmerksam gemacht wird."
"Gottseidank" ließ der 11 jedoch Ausnahmen zu, wenn 2/3 der Anwesenden dies beschlossen. Übrigens, über Bier und Wein, die ja nicht zu den "geistigen Getränken" zählen, wird nichts gesagt. Vereinslokal war die Gaststätte Hagenau (heute: Dorfstr.4, Haus hinter dem Aukrug). Es gab zu dieser Zeit noch 3 Gaststätten im Kirchdorf und mindestens 5 weitere in den Duchten - nämlich "Borsflether Mühle", "Borsflether Himmel", "Zur Störmündung", "Im Busch" (Klosterwurt) und "Schwarzer Bär".
Am 2. Juni 1901, dem Sonntag nach Pfingsten, wurde das 25jährige Jubiläum mit 10 Vereinen und 203 Sängern begangen. Das ganze Dorf war festlich geschmückt. An den Dorfeingängen waren sogenannte Ehrenpforten mit Sprüchen - dem damaligen Zeitgeist entsprechend - verziert, hier einige wenige Beispiele:

Am Wischdeich:
"Ist man von der Arbeit müde,
Ist noch Kraft zu einem Liede."

Eltersdorf:
"Dem Volk der Eichen,
Was auch sie schied,
Bleibt Einheitszeichen
Das deutsche Lied."

Der wohl bekannteste Spruch kam vom Schipper und Borsflether Original Karsten Pahl:

"Ick sing' so lang' min Kehl noch natt
Un drink so lang' noch Beer int Fatt;
So lang' noch Gäst sünd im Lokal
Is ob'n Damm noch Kastn Pahl."

Auch die Schleuse war mit Fahnen und Girlanden geschmückt. Auf der Schleuse befand sich das Bild eines Schwanes (Wappen der Krempermarsch) und die Inschrift der Kremper-marschfahne: "Wer Mut hat, leistet Widerstand!" Am Deich war mit Sand die Zahl 25 eingelegt. Die Schleuse war übrigens damals noch direkt an der heutigen Straßenbrücke. Die Straßen waren der Länge nach mit Tannen und Birken bepflanzt. Wie der Chronist Bielenberg schreibt, währte das Vergnügen bis zum Morgen und bei anbrechendem Tageslichte konnte man wohl hier und da eine Bierleiche erblicken. Des weiteren schreibt der Chronist, man konnte häufiger bemerken, dass dieses oder jenes Fräulein oder dieser oder jener Herr nicht aufzufinden waren. Wie stark die Besetzung der stillen, lauschigen Plätze gewesen sein mag, konnte jedoch nicht mit Genauigkeit festgestellt werden. Insgesamt scheinen Stimmung und Finanzen gestimmt zu haben.

Auch das 50jährige Jubiläum wurde mit einem großen Fest am 30. Mai 1926 begangen. Das Vereinslokal war inzwischen die Gastwirtschaft "Zur Verlath-Schleuse" geworden, nachdem zwischenzeitlich auch die "Borsflether Mühle" (1908 - 1924) Vereinslokal war. Vorsitzender des Vereins war zu dieser Zeit Simon Hahn. Kirchdorf und Büttel waren wieder festlich geschmückt. Im Pastoratsgarten wurde eine Bühne aufgebaut. Von 25 eingeladenen Vereinen erschienen 16 zum Sängerfest. Tannen, Busch und Sand zur Verschönerung des Pastorates und des Dorfes wurden aus Dägeling geholt. Auch diesmal wurden wieder die mit "markigen" Sprüchen versehenen Ehrenpforten aufgestellt; hier einige Beispiele:

Der Müller H. Schultz:

"Die Mühle dreht bei frischem Wind.
Viel Freude ich am Liedchen find.
Bei gutem Wind und Liederlust
Schlägt mir das Herz froh in der Brust."

An der Schule:

"Was schlicht und klein ist,
Laßt uns besingen,
Was wahr und rein ist
Soll in uns klingen."

Der Festumzug soll der bis dahin größte gewesen sein, angeführt von 8 Ehrenjungfrauen in Weiß, gefolgt vom Festausschuss, Ehrenmitgliedern, das Musikkorps, die Vereine mit ihren Bannern und Fahnen, in der Mitte das Trommler- und Pfeifferkorps der Borsflether Jugend und das Ganze geführt durch das Festausschussmitglied Cl. Peters. Der Pastoratsgarten vermochte die Teilnehmer kaum zu fassen. Begrüßt wurden die Teilnehmer von Pastor Lensch, die Festrede hielt auf Plattdeutsch der Vorsitzende und Hofbesitzer Simon Hahn (Schüder, Eltersdorf). Es hatten jedoch erst die Hälfte der Vereine ihre Lieder vorgetragen, als einsetzender Regen alles in die Gastwirtschaften und benachbarten Höfe (Lucht) trieb. Das tat jedoch der weiteren Feier keinen Abbruch. Auch dieses Fest schloss, wie der Chronist vermerkte, trotz der schlechten Witterung mit einem hohen Überschuss ab.

Das 75jährige Jubiläum fand wieder im Pastoratsgarten unter Einbeziehung des Schulgrundstückes statt. Festtag war der 10. Juni 1951. Vorsitzender ist zu dieser Zeit Lehrer Renz und Vereinslokal ist noch immer die Gastwirtschaft "Zur Verlath-Schleuse". Jedoch trübte auch dieses Fest strömender Regen, so dass der Festumzug und das Konzert der 8 geladenen Chöre gekürzt werden musste. Die vorgesehenen Volksbelustigungen auf dem Schulhof fielen zum größten Teil aus. Lediglich das "Aalverschießen" konnte noch mit gutem Erfolg und das Fest mit einem Überschuss abgeschlossen werden.
Auch diesmal war das Dorf wieder mit Ehrenpforten an den Dorfeingängen und an der Schleuse geschmückt. Wir könnten die Reihe fortsetzen - 100jähriges, es wurde allerdings auch ein 60jähriges Stiftungsfest gefeiert - wir wollen aber nur noch eine kurze Zusammenfassung des 125jährigen Jubiläums geben, da hierüber ja ausführlich im November in der "Glückstädter Fortuna" berichtet wurde.

Der offizielle Festakt zum 125jährigen Jubiläum fand am 20. Oktober im Vereinslokal "Aukrug" mit ca. 100 geladenen Gästen statt. Hier wurden die Reden gehalten und die Geschenke überreicht. Am 11. November fand dann das Jubiläumskonzert mit den Chören Männergesangsverein Wewelsfleth, Frauenchor Liederkranz Glückstadt, gemischter Chor Neuenkirchen und gemischter Chor Borsfleth statt. Anschließend traf man sich mit allen Teilnehmern zu einem gemütlichen Beisammensein im "Aukrug".